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Veröffentlicht am 16.07.2021

Reifen-Winter–Sommer

Welcher Reifen ist der richtige?

Früher war das mit den Reifen ganz einfach. Sommerräder gab’s für den Sommer, am besten mit den schicken Alufelgen, Winterreifen auf schnödem Stahl reichten für die kalte Saison. Von O bis O so galt die Wechsel-Faustregel – von Ostern bis Oktober. Doch nun überrollt der Ganzjahresreifen die deutschen Straßen, denn schließlich werden gefühlt die Winter milder. Aber war früher alles schlecht? Beileibe nicht, denn der Ganzjahresreifen kann und macht nicht alles gut.

Grundsätzlich ist zu sagen: das Geheimnis liegt im Gummi. Die Mischung desselben ist speziell auf den jahreszeittypischen Temperaturbereich abgestimmt und sorgt für den optimalen Grip. Ein echter Sommerreifen sorgt beispielsweise für eine um 15 % höhere Spurtreue und einen etwa 4 m kürzeren Bremsweg. Das liegt eben am Gummi, aber auch am gröberen Profil mit schärfer geschnittenen Längsrillen.

Und nicht zu vergessen: ein Ganzjahres/Allwetterreifen erhöht den Kraftstoffverbrauch gegenüber den Sommerpneus nicht unerheblich.

Torsten Walter, Service-Vorstand bei der Koch Automobile AG, sagt dazu: “Die Unterschiede zwischen den speziell auf die Sommer- oder Wintersaison abgestimmten Reifen und Ganzjahresreifen sind größer, als man denkt. Insbesondere der deutlich längere Bremsweg mit den Allwetterreifen macht mir Sorge, denn da geht es um ein Stück Sicherheit, das Leben oder Tod bedeuten kann. Das muss so klar gesagt werden. 4 Meter im Sommer, sogar 10 Meter im Winter – das sind schon echte Hausnummern. Ich rate eindeutig zum Aufziehen der klassischen Sommer- oder Winterreifen. Das bringt mehr für die Sicherheit als manches schlaue Assistenzsystem.”

Das ist die Wahrheit, denn gerade bei einem Vergleich Ganzjahres vs. Winterreifen gerät man ins Staunen. Dass die weichere, auf tiefere Temperaturen abgestimmte Gummimischung und die fein geschnittenen Lamellen des Profils das Fahrverhalten und vor allem den Bremsweg so dramatisch beeinflussen, ist bedenklich, weil unterschätzt.

Ein ebenfalls wichtiger Aspekt ist die Profiltiefe von Winterreifen. Alles unter 4 mm ist zu wenig, wenn man sicher unterwegs sein möchte. Das heißt als Zahlenvergleich: mit der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesttiefe von 1,6 mm ist man bei einer Vollbremsung 12 m länger unterwegs als mit 4 mm.

Torsten Walter meint: “Die Profiltiefe fährt leider bei vielen Kunden quasi im toten Winkel mit. Selbst das Minimum soll dann immer noch für viele Kilometer und über den nächsten Winter reichen. Keine gute Entscheidung, ebenso wie der Wintereinsatz von sogenannten Recharge-Reifen. Diese speziell für Elektrofahrzeuge angebotenen Reifen haben einen optimierten Abrollwiderstand. Das kommt der Reichweite des E-Autos zugute, verzichtet aber bei Nässe und Glätte auf jede Sicherheitsreserve. Den notwendigen Bremsgrip kann dann nur ein Winterreifen liefern. Auch hier also: keine Ganzjahresoption aus meiner Sicht.”

Was also tun? Welches ist die richtige Strategie? Einige Handgriffe für den Radwechsel weniger und kein Einlagerungsbedarf sprechen auf den ersten Blick für den Allwetterreifen. Wer jedoch auch viel außerhalb der Stadt oder sogar im bergigen Ausland unterwegs sein möchte, wird auf das deutliche Plus an Sicherheit nicht verzichten wollen und die Radwechselkosten durch die Spritersparnis kompensieren. Und das Fazit des Fachmanns?

Torsten Walter: “Ich bleibe konservativ, ganz klar. Von O bis O – das bleibt auch so! Aber jeder ist für die Sicherheit seines Autos selbst verantwortlich und die Qualität aller modernen Reifen ist im Laufe der Jahre immer besser geworden. Auch wir verkaufen Ganzjahresreifen, weisen aber grundsätzlich darauf hin, dass sie eben eine Kompromisslösung darstellen.”

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