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Veröffentlicht am 07.11.2019

Jetzt geht’s los: In Zwickau rollen die ersten VW ID.3 vom Band

Keiner klotzt so wie VW und Zwickau spielt dabei die Schlüsselrolle. Erstmals wird eine große Autofabrik komplett auf die Elektromobilität umgerüstet — mit Investitionen von 1,2 Milliarden Euro. Schon im kommenden Jahr sollen dort 100.000 E-Modelle gebaut werden, ab 2021 sogar bis zu 330.000. über 1500 Stromer pro Tag. Und in der finalen Ausbaustufe des Werks werden in Zwickau sechs verschiedene E-Modelle für drei Konzernmarken gebaut, nämlich auch für Seat und Audi. Und wenn der Laden dann richtig läuft, haben die Sachsen das mit Abstand größte und leistungsfähigste E-Auto-Werk Europas. Klar also, das es jetzt zum Start der Serienproduktion des ersten Modells den ganz großen Bahnhof gab. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Konzernchef Herbert Diess lief das erste Fahrzeug der neuen E-Auto-Generation vom Band – ein schneeweißer, kompakter ID.3, quasi der Golf des Elektrozeitalters.

Mal kurz zu den großen Zielen: Bis 2028 will Volkswagen konzernweit rund 22 Millionen Elektrofahrzeuge verkaufen und so dem E-Auto zum Durchbruch verhelfen. Und während sich deutsche Hersteller wie Mercedes oder BMW bei der Mobilitätswende immer noch nicht auf eine bestimmte Antriebsform festnageln lassen wollen, setzt VW mutig alles auf den batterieelektrischen Antrieb. Dafür will der Autohersteller nach eigenen Angaben bis 2028 fast 70 neue elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen. Langfristig, nämlich bis 2050, will der Konzern auch völlig klimaneutral produzieren. Parallel dazu wird die Entwicklung von Verbrennermotoren nach und nach zurück gefahren, ab 2040 will VW gar keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr verkaufen. Und vom Abgasskandal soll schon bald niemand mehr reden. Ja, die Wolfsburger haben den großen grünen Hebel umgelegt. Volle Fahrt voraus, volles Risiko, denn am Ende müssen die vielen E-Autos ja auch ihre Käufer finden. Da kommen die neuen, jetzt beim »Autogipfel« gerade beschlossenen höheren Kaufprämien für Elektroautos für VW genau zum passenden Zeitpunkt.

Grundsätzlich basiert der ID.3 auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) des VW-Konzerns. Diese Plattform ist rein auf Elektro ausgelegt und schöpft da alle Möglichkeiten maximal aus. Aus diesem kostengünstigen Baukasten sollen in den nächsten drei Jahren bis zu 33 neue Konzernmodelle (also auch Audis, Seats und Skodas) in großen Stückzahlen entstehen — vom SUV (in jeder Größenordnung) bis zum Kleinbus, beispielsweise dem elektrischen Nachfolger des legendären VW Bulli.

Die Eckdaten des VW ID.3? Der 1,55 Meter hohe, aber a la Golf nur 4,26 Meter lange Stromer hat rund 13 Zentimeter mehr Radstand als der Klassiker. Ergo üppig Platz und Bewegungsfreiheit wie in einem VW Passat, und trotz des Heckmotors mit 150 kW (204 PS) offeriert sich hinten noch ein familienfreundliches Ladevolumen von 385 Litern. Die Batterie macht sich im Unterboden flach, sie kommt in drei Größen. Die Basisvariante mit einer Kapazität von 45 kWh soll nach WLTP-Norm für eine Reichweite von bis zu 330 Kilometern taugen, darüber rangiert die Packung mit 58 kWh (bis zu 420 km). Topversion: 77 kWh für 550 km. Dank Schnellladefähigkeit soll der ID.3 mit 100 kW Ladeleistung in 30 Minuten rund 290 km Reichweite »nachtanken« können. Da reicht die Kaffee- und Stullenpause.

Und drinnen? Alles cool und sehr digital, funktioniert intuitiv. Kaum Knöpfe, kaum Schalter. Neben dem Display im Cockpit liefert ein zentrales Touch-Display (zehn Zoll) alle Infos, das Head up-Display projiziert seine Hinweise optisch gefühlt direkt auf die Straße (Augmented Reality). Alles mit Smartphone und Co. fein vernetzt, auf Wunsch diverse Extras: vom Panoramadach bis zum Soundsystem »Beats« oder 20-Zoll-Alurädern. Preislich beginnt das Ganze laut VW bei »unter 30.000 Euro«, soviel mussten wir bisher für einen gut ausgestatteten Golf auch zahlen. Und die finanziellen Förderungen sind ja noch abzuziehen.
Übrigens: Die auf gut 30.000 Exemplare limitierte und ohne Extras mindestens 40.000 Euro teure First-Edition des ID.3, die VW für begierige E-Kunden in ganz Europa vorab als ersten Leckerbissen offeriert hatte, ist ausverkauft. Schade nur, dass der normale ID.3 erst »im Sommer 2020« zu den Händlern rollt.

Aber es kommt ja im nächsten Jahr noch ein weiterer Stromer. Gemeint ist das elektrische SUV im beliebten VW Tiguan-Format (also rund 4,65 m) auf Basis der schon gezeigten Studie ID. Crozz. Kommt auch aus Zwickau, hört auf das schlichte Kürzel ID.4 und erscheint 2021 noch zusätzlich als schnittiger Coupé-Hochsitzer. Später folgt noch eine größere SUV-Version mit drei Sitzreihen und sieben Plätzen. Und der stromernde Nachfolger des erwähnten kultigen Bulli (Studie ID. »Buzz«) erscheint auch in diesem Zeitraum, soll aber zuerst chinesische Kunden erfreuen.

Interessant: Schon der Pionier ID.3 dieser völlig neuen VW-Generation soll bei der Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzen. Er soll bilanziell CO2-neutral produziert und damit ohne sogenannten „CO2-Rucksack“ an die Kunden übergeben werden. Die ziemlich energieintensive Batterie-Zellfertigung des Autos zum Beispiel erfolgt zu 100 Prozent mit Ökostrom, schwört VW. »Der ID.3 ist ein High-Tech-Auto aus einer High-Tech-Fabrik. Mit rund 1.700 Robotern, fahrerlosen Transportsystemen und voll-automatisierten Fertigungsprozessen zeigt Zwickau, wie eine zukunftsweisende Volumen-Produktion von Elektroautos heute aussehen muss“, lobt im übrigen Thomas Ulbrich, Vorstand E-Mobilität der Marke VW. Und Konzernchef Herbert Diess setzt noch einen drauf: »Deutschland muss Treiber des Wandels sein und die gesamte Wertschöpfungskette der E-Mobilität beherrschen. Deshalb produzieren wir E-Autos in Deutschland und haben uns zugleich für die Entwicklung und Produktion von E-Maschinen, Batteriezellen und –systemen entschieden.«

Neben der Fertigung am Standort Zwickau sind nämlich auch die VW-Komponentenwerke Braunschweig, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg am ID.3 beteiligt. Auch die klassischen VW-Fahrzeugwerke (für Diesel und Benziner) in Emden und Hannover sollen ab 2022 mit der Produktion von reinen E-Autos beginnen. Ebenso werden die strategisch wichtigen VW-Standorte in China und den USA entsprechend umgerüstet. Und zusammen mit dem schwedischen Spezialisten Northvolt wollen die Wolfsburger eine Gigafactory für die alles entscheidenden Batteriezellen in Salzgitter hochziehen.

VW will außerdem kräftig davon profitieren, den schlauen MEB-Baukasten an andere Hersteller zu verkaufen, die noch keine eigene Elektro-Plattform haben und sich die riesigen Investitionen für eine eigene Entwicklung sparen wollen. Das könnte richtig lukrativ werden (also viel Entwicklungsgeld wieder reinbringen), und mit Ford gibt es nun bereits einen solchen Deal. Für ein erstes Elektroauto hat der US-Hersteller bei VW 600.000 MEB-Baukästen bestellt. Ein weiteres Modell ist in der Diskussion, und über andere internationale Interessenten der Branche wird schon spekuliert.